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Der Notarzthubschrauber Christophorus 1 auf dem Heliport Innsbruck



Christophorus 1 wird aus dem Hangar geschoben.




Die Besatzung des Hubschraubers besteht aus dem Piloten, dem Notarzt und dem Flugretter (HCM).
Die in den Tiroler Notarzthubschraubern tätigen Flugretter haben neben einer Ausbildung zum Notfallsanitäter auch eine zum Bergretter sowie eine zum HCM (HEMS Crew Member) zu absolvieren (HEMS - Helicopter Emergency Medical Services).



Die Flotte der ÖAMTC-Flugrettung besteht aus modernsten Hubschraubern des Typs Eurocopter EC 135. Diese Hubschrauber sind mit zwei Turbinen ausgestattet und ermöglichen es den Piloten, alle Flugmanöver auch bei Ausfall einer der beiden Turbinen weiterhin sicher auszuführen. Der hier als Christophorus 1 eingesetzte Hubschrauber (OE-XVB) wurde 2008 gebaut und gehört zur Baureihe EC 135 T2+.


Die Eurocopter* EC 135 T2+ besitzen zwei Turbinen des Typs Turbomeca Arrius 2B2. Der Heckrotor ist gekapselt, was gegenüber frei stehenden Heckrotoren neben einer erhöhten Sicherheit für am Boden befindliche Personen auch eine deutliche Verminderung des entstehenden Lärms und eine erhöhte Bodenfreiheit des Heckauslegers mit sich bringt. Die Verringerung des Lärms wird einerseits durch eine deutliche Erhöhung der Blattanzahl gegenüber frei stehenden Heckrotoren als auch durch die Tatsache, dass die Blattspitzen nicht frei umlaufen, erreicht. Die gekapselte Ausführung des Heckrotors eines Hubschraubers ist unter dem Fachbegriff Fenestron des Hubschrauberherstellers Eurocopter bekannt geworden.

*Eurocopter wurde Anfang 2014 in Airbus Helicopters umbenannt.



Christophorus 1 ist einsatzbereit. Die Zeit vom Eingang einer Alarmierung bis zum Abheben beträgt maximal drei Minuten.



Christophorus 1 im Hangar, wo der Hubschrauber außerhalb der für den Flugbetrieb vorgesehenen Zeiten untergebracht ist.





Einer der beiden Cable Cutter
, der zweite befindet sich oberhalb der Cockpitkanzel auf dem Kabinendach. Die "Kabelschneider" sollen Kabel und Seile, in die der Hubschrauber unbeabsichtigt hineinfliegt, durchtrennen.





Die Patiententrage mit dem Bergesack und der Vakuummatratze. Im Hintergrund rechts im Bild der Notarztsitz, von dem aus eine kontinuierliche medizinische Betreuung der Patienten während des Fluges möglich ist.





Die geöffneten Heckklappen: Links ist die Patiententrage mit dem Bergesack zu sehen, rechts Bergeausrüstung, die für besondere Einsätze benötigt wird. Zu dieser gehört Ausrüstung für eine Bergung am Seil, welche am Boden des Hubschraubers in einem Doppelhakensystem eingehängt wird. Durchgeführt werden Taubergungen mit einem Bergesack mit Vakuummatratze (Flugretter und Notarzt werden nach einer Zwischenlandung am Seil hängend zum Unfallort geflogen), variable Taubergungen (die Länge des Seils kann während des Fluges den Erfordernissen angepasst werden), Seilbahnbergungen sowie Kaperbergungen von Bergsteigern, die noch an ihrem Seil in einer Wand hängen.

In Österreich werden Bergungen mit bis zu 140 Metern Seillänge durchgeführt.

Pilot, Notarzt und Flugretter stehen während eines Einsatzes permanent in Funkkontakt, was insbesondere für Seilbergungen unverzichtbar ist.

Auf Anforderung wird zusätzlich Baumbergeausrüstung (z.B. Rettung von abgestürzten und in Bäumen gelandeten Paragleitern), Gletscherausrüstung (Dreibein für Spaltenbergungen), ein Inkubator (siehe letztes Bild) oder eine Lawinensonde, die unterhalb des Hubschraubers hängt und ein effizientes Absuchen eines Lawinenkegels nach Signalen von LVS-Geräten ohne Gefährdung durch weitere Lawinenabgänge ermöglicht, mitgeführt.





Das Cockpit des Christophorus 1 / Eurocopter EC 135 T2+

Fahrtmesser (Airspeed Indicator) - Dieser zeigt die Geschwindigkeit im Vergleich zu der den Hubschrauber umgebenden Luft in Knoten (knots, kt) an. Diese Indicated Airspeed (IAS) wird über die sog. Pitotrohre (Staudruckrohre), von denen der EC 135 zwei besitzt, ermittelt.
(1 Knoten entspricht 1,852 km/h)

Künstlicher Horizont / Fluglageanzeiger (Artificial Horizon) - Dieser zeigt die Längs- und Querachsenlage des Hubschraubers gegenüber dem wahren Horizont an.

Höhenmesser (Altimeter) - Zeigt die anhand des Luftdrucks ermittelte Flughöhe des Hubschraubers in Fuß (feet, ft) an.
(1 Fuß entspricht 0,3048 Meter)

Radarhöhenmesser / Funkhöhenmesser (Radar Altimeter) - Dieser sendet ein Radarsignal in Richtung Erdoberfläche und ermittelt aus der Laufzeit des reflektierten Signals die Höhe des Hubschraubers. Wird im Landeanflug bzw. bei Taubergungen eingesetzt.

Variometer (Vertical Speed Indicator) - Zeigt die Steig- bzw. Sinkrate des Hubschraubers in Fuß pro Minute an.

Kurskreisel (Heading Indicator / Directional Gyro) - Ein Kreiselinstrument zur Richtungsmessung.

CAD (Caution and Advisory Display) und VEMD (Vehicle and Engine Multifunction Display)
-
Das Caution and Advisory Display wird zusammen mit den beiden Vehicle and Engine Multifunction Displays als CPDS (Central Panel Display System) bezeichnet. Das CAD zeigt Warnungen, Hinweise und den Tankfüllstand an, die VEMDs zeigen unter anderem Parameter der Turbinen, des Getriebes und der Bordelektronik sowie die Außentemperatur an.

Warnleuchten - Zeigen zusammen mit einem akustischen Alarm akute technische Defekte bzw. Probleme des Hubschraubers an.

Moving Map System - Eine digitale Karte mit permanenter Verortung des Hubschraubers und Anzeige dieses Standorts auf dem jeweils aktuellen Kartenausschnitt.

Garmin GNS 430 - Eine Kombination aus GPS-Empfänger (Global Positioning System) und Kommunikationseinheit.


Engine Control System
- Steuerung der Turbinen.
Die beiden Turbomeca Arrius 2B2 Turbinen, mit welchen die Eurocopter EC 135 T2+ ausgestattet sind, werden durch eine FADEC, eine volldigitale Triebwerksregelung, gesteuert und kontrolliert (FADEC - Full Authority Digital Engine Control).

Pitch - Regelung des Auftriebs des Hubschraubers. Der Pilot bringt den Hubschrauber über den Pitch in Steig- bzw. Sinkflug.

Stick - Mit dem Stick wird der Hubschrauber in die gewünschte Richtung gesteuert.

Pedale - Mit den Pedalen wird der Heckrotor gesteuert um den Hubschrauber während des Fluges in Richtung zu halten bzw. den Hubschrauber um seine eigene Hochachse drehen zu lassen.



Die medizinischen Geräte an Bord des Christophorus 1: Links oben eine B.Braun Perfusor compact Spritzenpumpe zur automatisch dosierten und kontinuierlichen Verabreichung von Medikamenten. In der Bildmitte oben das Dräger Oxylog 2000 Beatmungsgerät mit dem zugehörigen Schlauch, der zur Beatmungsmaske führt. Unterhalb befindet sich das Schiller ARGUS PRO LifeCare, eine Kombination aus Defibrillator, transkutanem Herzschrittmacher und Patientenmonitor (unter anderem mit vollständiger EKG-Aufnahme). Durch eine entsprechende Abschirmung kann der Defibrillator auch während des Fluges ohne Einfluss auf die Bordelektronik eingesetzt werden. Rechts unten das Boscarol OB 1000 Absauggerät, das zur Entfernung von Blut oder Erbrochenem aus dem Bereich der Atemwege verwendet wird.





Der Notfallrucksack befindet sich auf dem Sitz direkt vor dem Notarzt, um im Einsatzfall sofortigen Zugriff auf diesen zu haben. Er enthält neben den wichtigsten und im Notfall am häufigsten gebrauchten Medikamenten Verbandsmaterial sowie diverse andere für den Notarzt unverzichtbare Ausrüstung.



Der Dräger Transport Incubator 5400 für den Transport von Frühgeborenen wird nur bei expliziter Anforderung eines derartigen Transports in den Hubschrauber eingebaut. Christophorus 1 ist der Schwerpunkthubschrauber für Inkubatortransporte in den Bundesländern Tirol und Vorarlberg.


Links

Hubschrauber-Einsatz - Vorbereitungen und Einweisen

Der Notarzthubschrauber Christophorus 5 auf dem Heliport Zams / Landeck

Hubschrauber-Löscheinsatz - Waldbrand auf der Nordkette 2009

Die Dash 8 OE-LGK "Burgenland" auf dem Flughafen Innsbruck

ÖAMTC Flugrettung

Airbus Helicopters H135 (EC 135)

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